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Der Fall des Zollern
Ein historischer Roman in Arbeit

Anfang des 15. Jahrhunderts ist das Haus Zollern alt und angesehen – aber wirtschaftlich geschwächt. Seine Stammburg beherrscht weithin sichtbar den Berg über Hechingen. Doch innerhalb des Hauses ist längst ein Konflikt entstanden, der schließlich nicht nur zwei Brüder, sondern auch die Burg selbst ins Verderben führen wird.
Graf Friedrich XII., genannt der Öttinger, ist stolz, streitbar und gewohnt, seinen Willen durchzusetzen. Sein Bruder Eitelfriedrich beansprucht ebenfalls Rechte an Herrschaft und Burg. Während Friedrich auf persönliche Gefolgschaft, Rang und die Macht seines Hauses setzt, sucht Eitelfriedrich zunehmend Rückhalt bei Recht, Verträgen und mächtigeren Verbündeten.
Der Roman erzählt, wie aus familiärem Streit, Schulden, Fehden und verletzter Ehre ein Konflikt entsteht, an dessen Ende 1423 die erste Burg Hohenzollern fällt und zerstört wird.
Dabei stehen nicht nur Grafen, Städte und politische Interessen im Mittelpunkt. Der Roman folgt auch Handwerkern, Kriegsknechten, Bauern und Frauen, deren Leben durch diesen Kampf verändert wird. Historisch belegte Personen und Ereignisse verbinden sich mit erfundenen Lebensgeschichten.
Der Roman befindet sich derzeit in der Testlese- und Ăśberarbeitungsphase.
Worum es geht
Die Geschichte beginnt 1416. Friedrich lässt das zum Rottweiler Einflussbereich gehörende Dietingen überfallen. Rottweil verfolgt seine Leute und lässt Gefangene als Räuber hinrichten. Friedrich empfindet dies als Angriff auf seine Ehre und seine Rechte. Eine Spirale aus Vergeltung und Feindschaft beginnt.
Gleichzeitig eskaliert der Streit mit seinem Bruder Eitelfriedrich. Es geht um Schulden und Besitz, aber auch um eine grundsätzlichere Frage: Wer ist eigentlich Herr auf dem Zollern?
Beide Brüder können sich auf Rechte berufen. Doch Recht, tatsächliche Macht und persönliche Anerkennung fallen immer weiter auseinander. Friedrich verliert zeitweise sogar seine Stammburg, gewinnt sie später zurück – und ist umso entschlossener, sie nie wieder preiszugeben.
Als sich 1422 Reichsstädte, Württemberg und weitere Gegner gegen ihn zusammenschließen, beginnt die Belagerung des Zollern. Fast ein Jahr lang hält die Burg stand.
Im Inneren kämpfen Männer wie der historisch belegte Merloch von Dettlingen und der junge Heinrich um das Überleben der Besatzung. Der Steinmetz Konrad versucht gemeinsam mit Matthis, Mauern und Befestigungen immer wieder instand zu setzen. Im Lager der Belagerer erleben andere Figuren denselben Krieg aus völlig anderer Perspektive.
Je länger die Belagerung dauert, desto deutlicher wird: Nicht nur Geschütze entscheiden über den Ausgang. Hunger, Erschöpfung, politische Isolation und die Frage, wem Menschen noch vertrauen, werden ebenso wichtig.
Friedrich und Verena
Auch Friedrichs privates Leben gerät in diesen Jahren aus den Fugen.
Seine Ehe mit Anna von Sulz ist kinderlos und längst belastet. Friedrichs rastlose, gewalttätige Lebensführung und sein Stolz haben zwischen beiden eine Distanz entstehen lassen, die sich im Bruderzwist weiter vertieft.
In Mössingen begegnet Friedrich einer anderen Frau.
Historisch überliefert ist eine Geliebte des Grafen aus Mössingen, deren Name nicht bekannt ist. Im Roman heißt sie Verena. Sie steht Friedrich nicht wegen seines Ranges nahe, sondern weil sie hinter dem streitbaren Grafen einen Menschen erkennt, der Wärme und Vertrauen ebenso braucht wie andere.
Ihre Beziehung bleibt zunächst geschützt. Während der Belagerung aber wird Verenas Loyalität sichtbar. Sie bringt sich selbst in Gefahr, als sie versucht, Pulver und Mittel für die Verwundeten zur eingeschlossenen Burg zu schaffen.
Damit wird aus einer verborgenen Beziehung eine Liebe, die auch Gefangenschaft, Niederlage und den Untergang des Zollern ĂĽberdauert.
Historischer Hintergrund
Der Kern des Romans beruht auf tatsächlichen Ereignissen.
Die Grafen von Zollern gehörten zu einem alten schwäbischen Adelsgeschlecht. Ihr Rang und ihr Selbstverständnis waren jedoch größer als die wirtschaftliche Kraft ihrer inzwischen kleinen und zersplitterten Herrschaft. Verkäufe, Verpfändungen, Schulden und kostspielige Fehden hatten das Haus über Generationen geschwächt.
Hinzu kam der Konflikt zwischen Friedrich und seinem Bruder Eitelfriedrich. Die Brüder verkörpern unterschiedliche Vorstellungen davon, wie das Haus Zollern erhalten werden kann: Friedrich setzt auf Selbstbehauptung, persönliche Gefolgschaft und die Verteidigung alter Rechte; Eitelfriedrich stärker auf Recht, Ordnung und politische Absicherung.
Der Konflikt mit Rottweil und weiteren Reichsstädten verschärft die Lage zusätzlich. 1422 beginnt schließlich die Belagerung der Burg. Im Mai 1423 kapituliert die erschöpfte Besatzung. Die erste Burg Hohenzollern wird anschließend zerstört.
Doch damit endet die Geschichte des Hauses nicht.
Nach dem Fall
Der Roman endet nicht einfach mit einer militärischen Niederlage.
Der Epilog verfolgt, was aus den Ăśberlebenden wird: aus Friedrich, der beim Fall seiner Burg nicht mehr auf dem Zollern ist; aus Verena, deren Liebe zu ihm bestehen bleibt; aus Eitelfriedrich, der sich fragen muss, welchen Anteil er selbst am Untergang der Stammburg hatte; und aus Konrad, der nicht nur die Frau verliert, die er liebt, sondern auch das Werk vieler Jahre.
Eitelfriedrich beginnt, die politischen und wirtschaftlichen Scherben zusammenzufĂĽgen und den Fortbestand des Hauses zu sichern.
Erst eine neue Generation eröffnet wieder eine andere Perspektive. 1454 beginnt unter Jost Niklas der Bau einer zweiten Burg auf dem Zollern.
Und auch Konrad wird den Berg noch einmal sehen.
Warum dieses Thema?
Ich bin in Hechingen, unterhalb der Burg Hohenzollern, aufgewachsen. Der Zollernberg mit seiner Burg gehörte damit von Kindheit an zu meiner vertrauten Umgebung.
Umso mehr hat mich später die Geschichte der ersten Burg beschäftigt, die 1423 nach monatelanger Belagerung zerstört wurde und heute fast vollständig hinter ihren Nachfolgebauten verschwunden ist.
Was geschah damals tatsächlich auf diesem Berg? Warum konnte ein Streit so weit eskalieren? Und wie erlebten nicht nur Grafen und Städte, sondern auch Handwerker, Soldaten, Bauern und Familien diesen Konflikt?
Aus diesen Fragen entstand der Roman.
Entstehung des Romans
Bei der Arbeit versuche ich, die historisch belegten Eckpunkte so genau wie möglich zu rekonstruieren. Zeitnahe Berichte, spätere Chroniken, Urkunden und historische Untersuchungen helfen dabei, Personen, militärische Abläufe und die Topographie des Burgbergs zu verstehen.
Aber historische Quellen erzählen nie alles.
Wo sie schweigen, beginnt der Roman. Dort entstehen Gespräche, Beziehungen, Motive und Lebenswege – nicht mit dem Anspruch, genau so müsse es gewesen sein, sondern mit dem Versuch, so zu erzählen, wie es gewesen sein könnte.